Poker - Glücksspiel oder nicht?

Ein guter Abend für einen Pokerspieler gestaltet sich so, dass er das Casino besucht, einen mehr oder minder großen Betrag einsetzt, einige Stunden pokert und dann mit einem satten Gewinn den Tisch verlässt.

Kann der Spieler gut pokern, dann schafft er das möglicherweise in 60 Prozent der Fälle. Zuhause freut er sich über seinen Gewinn, da Poker nach deutschen Gesetzen zu den Glücksspielen gehört und er seinen Gewinn daher nicht versteuern muss. Herr Scharf hatte in den letzten Jahren ein paar solcher Erlebnisse. Er ist fast 60 Jahre alt und gehört zu den besten Pokerspielern in der Bundesrepublik.

Aber vor drei Jahren erhielt er Nachricht vom Finanzamt, das ihn aufforderte, für seinen Gewinne von rund einer Million Euro Abgaben zu leisten. Das Amt ist der Meinung, dass dies nur mit Talent zu bewerkstelligen ist, doch Scharf teilt diese Ansicht nicht und reichte Klage ein. Noch in diesem Jahr wird das Finanzgericht in Köln hier entscheiden. Diese Sache schlug im ganzen Land Wellen und nicht nur, weil Herr Scharf bei Pokerkennern als guter Spieler gilt.

Mehrere andere Pokersspieler bekamen ebenfalls Post vom Finanzamt, daher kann dieses Verfahren nicht als Musterprozess angesehen werden. Außerdem gibt es hier das Risiko, dass der Staat sich selbst ins Bein schneidet. Wenn man einmal überlegt, dass das Amt bei jedem Gericht Recht bekommen würde und die Spieler Abgaben leisten müssen, das würde dies bedeuten, dass das Pokerspiel ein reguläres, mit Steuern zu belegendes Gewerbe wäre. Wäre dies der Fall, dann würden auch Verluste in der Steuererklärung greifen.

Es gibt nur wenige Pokerspieler in der Bundesrepublik, welche in der öffentlichkeit über steuerliche Fragen reden wollen, zu ihnen gehört Herr Keiner. Er war einmal Schönheitschirurg und spekulierte an der Börse und hatte schon einige Begegnungen mit der Behörde. Vor drei Jahren klingelten die Steuerfahnder bei ihm, weil er Pokergewinne im sechsstelligen Bereich hat. Daraufhin erhielt er einen förmlichen Strafprozess. Wenig später stellte man das Verfahren ohne Strafe ein.

Dies lag daran, dass er eine Notiz des Finanzamts von vor sechs Jahren vorlegte, die enthielt, dass Gewinne prinzipiell nicht versteuert werden können. Doch er muss sich weiterhin mit den Behörden herumärgern. Das Verfahren um Scharf sieht der Spieler mit Gelassenheit, denn die Entscheidung obliegt nur dem Kölner Finanzgericht. Der Fall wird erst dann spannend, sollte er vom Bundesfinanzhof verhandelt werden. Bis dorthin sind die Finanzämter ungeachtet einiger Fehlschläge nicht gelangt.

Herr Keiner erklärte, dass man einen grundsätzlichen Richterspruch unbedingt verhindern will. Er ist davon überzeugt, dass das Recht für ihn ist, deswegen will er Deutschland auch nicht verlassen. Diesen Schritt haben schon zahlreiche Spieler getan, wie beispielsweise der WM-Sieger Heinz, der seit letztem Jahr in österreich wohnt, weil hier die juristische Lage klarer definiert ist.

Das grundlegende Problem zwischen den Finanzbehörden und den Spielern ist die Frage, ob das Pokerspiel nun zu den Glücksspielen gehört oder eben nicht; diese ist objektiv nicht leicht zu klären. Wenn man neuere Studien miteinander vergleicht, dann nimmt der strategische Anteil 25 bis 40 Prozent ein. Manche sind der Meinung, dass dies genügt, um das Pokern den Geschicklichkeitsspielen zuzuordnen und andere sind der Ansicht, dass dies eben nicht der Fall ist.

Zu der ersten Gruppe zählt auch der Fernsehmoderator Körner, welcher schon bei der "TV Total Pokernacht" von Stefan Raab tätig war. Er sagt, dass niemand abstreiten wird, dass das Pokerspiel Glück braucht, denn auch ein Deutscher Meister im Fußball hatte während der Saison ebenfalls mal Glück. Doch schlussendlich siegt nicht derjenige, der das meiste Glück hat, sondern der, der angemessene Entschlüsse gefällt hat.

Der größte Organisator von Pokerwettkämpfen in Deutschland nimmt noch einen Schritt. Er hat eine Bundesliga für das Pokerspiel, die es Spielern, die ab und an spielen, gestattet, bei mäßigen Teilnahmegebühren um Sachpreise zu pokern. Er verlangt auch, dass das Pokerspiel als Geschicklichkeitsspiel zu gelten hat. Für hat die Tatsache, dass das Pokerspiel um Geld in Casinos gestattet und darüber hinaus nicht erlaubt ist, keine juristische Basis.

Die momentan geltende juristische Grundlage beruft sich auf ein Urteil von vor 106 Jahren aus dem Deutschen Reich. Die Pokerversion "Five-Card Draw" wurde damals als Glücksspiel festgelegt, heute ist es nur noch aus Westernfilmen bekannt. Hierbei verfügen die Spieler über fünf abgedeckte und keine offenen Karten. Damals gab es die heute so beliebte Version "Texas Hold em", welches zwei abgedeckte und fünf gemeinschaftliche Karten mitbringt, noch nicht und auch große Turniere, Sendungen im TV und das virtuelle Pokerspiel lagen in weiter Ferne.

Der Veranstalter setzt sich momentan mit einem Prozess auseinander, der vor dem BVG läuft. Hier möchte er belegen, dass das Pokerspiel den Geschicklichkeitsspielen zuzuordnen ist. Würde er hier Recht bekommen, dann kann man ihn nicht mehr aufgrund von illegaler Glücksspielorganisation anzeigen; dies war in der Vergangenheit gang und gäbe. Es liegt aber noch die Schwierigkeit vor, dass die Bundesländer für das Glücksspiel zuständig sind. Jedes der 16 Länder muss entscheiden, wie es mit dem Pokerspiel umgeht.

Besteht in einem Bundesland ein entsprechendes Urteil, gilt dies nicht verbindlich für andere Bundesländer. Der Veranstalter erklärt, dass das Pokerspiel im deutschen Gesetz nicht zur Sprache kommt. Es liegt bei der Justiz, zu entscheiden, ob Poker nun erlaubt ist oder nicht. Wäre das Spiel erlaubt, dann dürften es die Casinos auch nicht mehr bereitstellen. Ein Suchtfachmann von der Bremer Universität spricht sich gegen das erlaubte Pokerspiel aus.

Wäre das Spiel ein übliches Gewerbe, dann werden Viele damit Geld machen wollen. Dadurch werden reizvolle Dienstleistungen auf dem Markt angeboten und so steigt das Risiko, dass man sich verzockt. Die Präsidentin des Fachverbands für Glücksspielsucht betrachtet die Tendenzen in der Pokerbranche ebenfalls nicht ohne Angst.

Die Ziffer der Suchtkranken bei Poker ist längst nicht so groß wie bei den Spielern, die Automaten nutzen, aber sie erklärt, dass die irritierende Vermarktung des Pokers als Sportart, wie sie durch Berühmtheiten wie Boris Becker erfolgt, alles andere als gut ist. Egal ob es um Suchtgefahr oder Glücksspiel geht, zahlreiche Spieler verlangen prinzipielle Kriterien. Hier ist es nicht wichtig, ob Poker nun den Glücksspielen zuzuordnen ist oder nicht, sondern wie dies von der Justiz gehandhabt wird.

Die Regierung stellte eine rechtliche Situation zum Pokerspiel auf die Beine, die die Bürger schlucken müssen. Herr Keiner ist es wichtig, dass ein Anspruch auf juristische Sicherheit besteht. Bis zum heutigen Tag wird das Pokerspiel dem Glücksspiel zugeordnet. Er kann sich erst dann darauf einstellen, wenn dies einmal anders geworden ist. Auch das Pokerspiel im Netz ist in der Bundesrepublik in einer juristisch nicht definierten Zone.

Ein Studierender im Bundesland Nordrhein-Westfalen erspielte im Netz einige 100.000 Euro. Er geriet ins Visier der Finanzbehörde und es folgte ein Prozess. Dieser wurde mit dem Hinweis beendet, dass er nur ab und an spielt. Doch der Pokerspieler durfte sich trotzdem nicht freuen, da er wegen unerlaubtem Glücksspiel angezeigt wurde. Er will mit dem Hinweis dagegen vorgehen, dass er lediglich außerhalb Deutschlands gepokert hat.

In den Ländern österreich und Tschechien hätte er damit keine Probleme, da man hier auch als deutscher Bürger dem Online Poker nachgehen kann, wenn man sich dabei nicht in der Bundesrepublik befindet. Diese Sache regt Profispieler wie Kerner besonders auf. Er fragt sich, ob man aus der Bundesrepublik einen Knast machen möchte und ob es möglich ist, dies für vier Millionen Leute zu bewerkstelligen.

Dies sei wirklich lachhaft, nur weil sie dem virtuellen Pokerspiel nachgehen. Egal, welche Ansichten man zur Erlaubnis von Pokerspiel hat und egal als was das Pokerspiel gilt, es ist nicht sehr logisch, dass der Staat das Spiel unterbinden will und zur kriminellen Handlung erklärt und gleichzeitig vom Spiel profitieren will.

Es ist wohl die Zeit gekommen, dass die Bundesrepublik für das Spiel klare Vorgaben einführt.


geschrieben am 19.10.2012 von Jessica Neumann


2020-10       2020-9       2020-8       2020-7       2020-6       2020-5       
2020-4       2020-3       2020-2       2020-1       2019-12       2019-11       
2019-10       2019-9       2019-8       2019-7       2019-6       2019-5       
2019-4       2019-3       2019-2       2019-1       2018-12       2018-11       
2018-10       2018-9       2018-8       2018-7       2018-6       2018-5       
2018-4       2018-3       2018-2       2018-1       2017-12       2017-11       
2017-10       2017-9       2017-8       2017-7       2017-6       2017-5       
2017-4       2017-3       2017-2       2017-1       2016-12       2016-11       
2016-10       2016-9       2016-8       2016-7       2016-6       2016-5       
2016-4       2016-3       2016-2       2016-1       2015-12       2015-11       
2015-10       2015-9       2015-8       2015-7       2015-6       2015-5       
2015-4       2015-3       2015-2       2015-1       2014-12       2014-11       
2014-10       2014-9       2014-8       2014-7       2014-6       2014-5       
2014-4       2014-3       2014-2       2014-1       2013-12       2013-11       
2013-10       2013-9       2013-8       2013-7       2013-6       2013-5       
2013-4       2013-3       2013-2       2013-1       2012-12       2012-11       
2012-10       2012-9       2012-8       2012-7       2012-6       2012-5       
2012-4       2012-3       2012-2       2012-1       2011-12       2011-11       
2011-10       2011-9       2011-8       2011-7       2011-6       2011-5       
2011-4       2011-3       2011-2       2011-1       2010-12       2010-11       
2010-10       2010-9       2010-8       2010-7       2010-6       2010-5       
2010-4       2010-3       2010-2       2010-1       2009-12       2009-11       
2009-10