ZDF versucht Zugehörigkeit des Pokerspiels zu klären

Als die Sendung "WISO" zu Beginn des letzten Monats einen sehr mageren Beitrag ausstrahlte, in dem das virtuelle Pokerspiel gleich Spielsucht war, will das ZDF nun einen neuen Versuch mit dem Thema wagen.

Der neuste Beitrag des Senders war gegenüber dem vorangegangenen Beitrag viel ausgeglichener. Grund für den Bericht war das Urteil des Bundesgerichtshof, welches herausfinden soll, ob das Pokerspiel den Glückspielen angehört oder doch eher auf Geschicklichkeit basiert.

Pokerfreunde kennen des Rätsels Lösung schon lange, aber die Sendung bringt durchaus Informationen für Menschen, welche sich mit dem Thema bisher nicht auseinandergesetzt haben. Der virtuelle Pokerspieler Arne und der in der Pokerbranche namhafte Spieler Schüttler werden in Gegensatz zueinander gestellt. Arne spielte im Netz um hohe Summen und arbeitet mittlerweile als Trainer.

Der zweite Spieler will in seinem Verein namens "Bad Beat Berlin" auf keinen Fall um Geld pokern. Spannend wird es dann, als ein Herr von der Uni in Hamburg seine Meinung preisgibt. Er führte eine wissenschaftliche Untersuchung durch, ob das Pokerspiel Glück oder Geschick unterliegt und bietet dazu eine ambivalente Antwort in der Theorie an.

Wenn man eine Hand spielt, steht das Glück im Vordergrund, wenn aber zahllose Hände genutzt werden, dann ist dies Geschick. Der Zeitpunkt, bei dem die passende Taktik wichtig ist, kommt nach Ansicht des Wissenschaftlers schon in der Unendlichkeit zum Tragen und ist nicht genau festzulegen. Der Einspruch des Herrn wird auch für die Richter in Karlsruhe entscheidend sein, doch wie ihr Urteil ausfällt, ist nicht klar.

Es stellt sich immer wieder die Frage, ob das Poker den Glücksspielen zuzuordnen ist, besonders den Instanzen des Staates. Der professionelle Pokerspieler Scharf bestand in einem Konflikt mit dem Finanzamt darauf, dass das Spiel zu den Glücksspielen gehört. Das Amt aber wertet diese Gewinne so, dass sie mit Steuern zu belegen sind; also nicht als Gewinne aus dem Glücksspiel und will die Abgaben sehen.

Beim Verfahren vor dem Finanzgericht erlitt er eine Niederlage und muss nun, wenn das Urteil in der Berufung nicht anders ausfällt, die Steuern leisten. In der Regel finden es die Spieler sehr wichtig, dass ihr Spiel nicht als Glücksspiel anzusehen ist. Wenn der Bundesgerichtshof der gleichen Ansicht ist, dann würde es vielleicht heißen, dass die Verteufelung des virtuellen Pokerspiels irgendwann einmal aufhört.

Der Grund für das bald gefällte Urteil ist die Beschwerde der "Westdeutschen Lotteriegesellschaft" gegen einen virtuellen Betreiber, welcher nicht nur Pokerspiele sondern auch Glücksspiele bereitstellt. Ungeachtet dieses Urteils ist die Situation in der Bundesrepublik noch unklar.

In der EU findet man nicht mal kleine Ansätze einer konformen Strukturierung. Die EU hat den in der Bundesrepublik greifenden Glücksspielvertrag, der auch das Pokerspiel beinhaltet, stark kritisiert. Dazu klinkte sich das nördlichste Bundesland aus der "Union" aus und verstärkte die verworrene Lage nur noch.

Spieler, Betreiber und die Institutionen des Staates würden es sich sehr wünschen, wenn die Frage des ZDF, wohin das Pokerspiel nun gehört, in ganz Europa eine endgültige Antwort finden würde.
Ob die korruptionsresistenten und klugen Richter in Baden-Württemberg viel dazu beitragen können, steht noch in den Sternen.



geschrieben am 03.12.2012 von Jessica Neumann


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